Links zum Wochenende #22

Schwarz, deutsch: In der Berliner Zeitung ist im Zusammenhang mit der Ausstellung „Zerstörte Vielfalt“ ein aufrüttelnder Beitrag über die Familiengeschichte der Schwarzen Deutschen Abenaa A. erschienen. Ihr Urgroßvater war 1891 aus Kamerun nach Deutschland gekommen und hatte sich später als Kaufmann in Danzig niedergelassen. Die Ausstellung dokumentiert, wie der Nationalsozialismus eine Bruch im Leben der Familie und in der gesamten deutschen Gesellschaft verursachte: „Dieses Foto [von der Familie des Urgroßvaters, gekleidet im Sonntagsstaat, datiert aus den 1920ern] ist für sie [Frau A.] ein Symbol dafür, was in dieser Zeit möglich war. Der „feine Zwirn“, wie sie es nennt, in den ihr Urgroßvater gehüllt ist, steht für sie für seinen Platz im bürgerlichen Leben dieser Zeit. Das Bild symbolisiert aber auch, was durch die NS-Zeit verloren gegangen ist, nämlich, dass ein Afrikaner ein angesehenes Mitglied der deutschen Gesellschaft sein konnte. Diesen Bruch, diesen Verlust an Normalität spüre sie bis heute, sagt Abenaa A. (Link über die Mädchenmannschaft)

Shell muss Schadenersatz für Schäden in Nigeria leisten: Schon lange steht der Ölkonzern Shell wegen seines rücksichtslosen Vorgehens bei der Ölförderung in Nigeria in der Kritik. Hier bei werden immer wieder Menschen bedroht, verhaftet und auch zum Tode verurteilt, und seit Jahren werden ganze Landstriche und Gewässerabschnitte verseucht. Vier nigerianische Bauern hatten Shell in den Niederlanden verklagt. Das Den Haager Gericht wies ihre Klage zwar ab, da der in den Niederlanden ansässige Mutterkonzern nicht für Schäden einer Konzerntochter im Ausland haftbar gemacht werden könne. Gleichzeitig stellte es aber fest, dass Shell Nigeria die Schäden verursacht habe und daher Schadenersatz leisten muss.

Wahl in Kenia: Kenia läuft sich warm für die Wahlen am 4. März und entsprechend steigt die Anzahl an Berichten auch im deutschsprachigen Raum. Die Wahlen finden in einem politisch sehr komplexen und konfliktbeladenen Umfeld statt. Noch sind die Gewaltausbrüche nach den letzten Wahlen 2007 noch nicht komplett aufgearbeitet. Der internationale Strafgerichtshof wird in wenigen Wochen einen Prozess zur Aufklärung der damaligen Ereignisse eröffnen. Angeklagt wegen Anstiftung zu Gewalt gegen „gegnerische“ ethnische Gruppen sind u.a. zwei der aussichtsreichsten Präsidentschaftskandidaten, Jomo Kenyatta und William Ruto,  Die Vorwahlen am 17. Januar verliefen teils chaotisch. Warum Wahlämter für Frauen viel schwerer erreichbar sind als für Männer beschreibt Miriam Gathigah auf Afrika.info. Die Wahl wird auch im Netz heiß diskutiert, etwa in einem kürzlich eingerichteten Youtube Channel oder auf Twitter (#kenyadecides)

Die Kinder des Krieges: Bei ZEIT Online gibt es eine Fotostrecke des Fotografen Nik Bothma über Kinder aus Mali, die mich lange beschäftigt hat. Die beiden Extreme der Wahrnehmung sind in den bislang zwei LeserInnenkommentaren darunter gut zusammengefasst: Handels es sich hierbei um „poverty porn“, also die Abbildung von Kindern zum Zweck des Erregens von Mitleid oder ist es eine realitätsgetreue Dokumentation der Situation vor Ort? Einige Bilder finde ich sehr gut, andere wiederum hart an der Grenze zum ethisch Vertretbaren. Diese Grenze kann jede/r selbst ganz leicht herausfinden: Wie fände ich es, wenn mein Kind das hier abgebildete wäre? 

Forschung 2.0: Über die Schulter schauen kann man den beiden Beratern Kennedy Oulu und Francis Omondi, die derzeit im Auftrag der NGO Restless Development eine Studie über „State of the Youth“ in Tansania erstellen. Die Studie wird in sieben Regionen des Landes durchgeführt und auf dem zugehörigen Blog wird der Prozess dokumentiert (alle Quellen englischsprachig). Ich finde das ein interessantes Projekt, da die meisten Organisationen von ihnen beauftragte Studien nur zögerlich veröffentlichen und nur wenig über den eigentlichen Forschungsprozess bekannt wird. Richtig spannend wird es natürlich, wenn die Jugendlichen selbst, die ja Gegenstand der Forschung sind, zu Wort kommen – hoffentlich wird das auch der Fall sein.

Neu im Blog: Ich habe das interessante Buch „Afrika! Plädoyer für eine differenzierte Berichterstattung“ von Martin Sturmer rezensiert.

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