Links zum Wochenende #12

Hilfe als Geschäft: Die Diskussion über Sinn und Unsinn der EZ ist wahrscheinlich so alt wie die EZ selbst – und bei aller Polemik nicht immer sinnlos. Gestern war Kinostart der Dokumentation „Süßes Gift“. Alexandra Endres hat eine lesenswerte Rezension für die ZEIT verfasst, Jochen Kürten eine für dw.de.  Und hier der Trailer – in Hamburg läuft der Film übrigens am 11., 17. und 18.11. sowie am 1.12. im Abaton, am 11.11. in Anwesenheit des Regisseurs Peter Heller.

Die Heinrich-Böll-Stiftung schließt ihr Büro in Äthiopien Ende 2012: „Die politischen Rahmenbedingungen und die Gesetzeslage in Äthiopien verhindern eine politisch vertretbare und praktikable Arbeit der Stiftung. Unser Auftrag, gemeinsam mit lokalen Partnern für Demokratie, Geschlechtergerechtigkeit und nachhaltige Entwicklung einzutreten, ist nicht mehr erfüllbar.“  So steht es in der Einleitung eines Hintergrundpapieres (PDF), das den aktuellen politischen Kontext in Äthiopien analysiert und dargestellt wird, warum die Arbeit in diesem Umfeld nicht mehr möglich ist.

Die äthiopische Regierung hatte 2009 ein Gesetz beschlossen, das die Arbeit internationaler NGOs im Land streng reguliert und inländischen NGOs nicht gestattet, mehr als 10% ihrer Mittel von ausländischen Gebern zu erhalten. Dieses, so die AutorInnen, wird strikt umgesetzt. Zudem machen Repressionen gegenüber Oppositionellen und eine stark eingeschränkte Pressefreiheit die Arbeit immer schwieriger. Könnte Ähnliches zukünftig auch in anderen Ländern des Südens NGOs und andere ausländische Organisationen bevorstehen?

Deutsches Evaluierungsinstitut eröffnet: Die „neue deutsche Entwicklungspolitik“ möchte mehr Wirkungen erzielen und diese nachweisen können. Vergangenen Dienstag wurde daher in Berlin das unabhängige Deutsche Evaluierungsinstitut (DEval) mit Sitz in Bonn eröffnet. „Das Institut unterstützt damit das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), Durchführungsorganisationen wie GIZ und KfW sowie nichtstaatliche Einrichtungen, ihre Entwicklungsprojekte evidenzbasiert zu gestalten, Ergebnisse transparent darzustellen und aus Evaluierungen für die zukünftige Gestaltung des Politikfelds zu lernen.“ 

Ein Laptop pro Kind in der Kritik: Die US-amerikanische NGO „One Laptop per Child“, angesiedelt am MIT arbeitet seit mehreren Jahren daran, kostengünstige und energieeffiziente Laptops zu entwickeln, die Kinder in Ländern des Südens nutzen können. Ein Bericht des Gründers, Nicolas Negroponte, in dem er sein Erstaunen über äthiopische Kinder, die ohne Anleitung nicht nur in der Lage waren, die Android-basierten Geräte auszupacken (anstatt mit den Kartons zu spielen), sondern nach kurzer Zeit eine Vielzahl von Apps bedienen konnten, sorgte nun auch in deutschsprachigen Medien für Kritik.

Auf Androidnext analysiert Amir Tamannai die „Kolonialherrenattitüde“ Negropontes, die sich u.a. in seinem Erstaunen darüber ausdrückt, dass die Kinder in der Lage waren, in ihrer Umgebung abgestellte Kartons mit den Tablets zu öffnen – Tamannai merkt an, dass wohl kein Kind der Welt mit einem verschlossenen Karton spielen, sondern immer versuchen würde, diesen zu öffnen. Auch die Darstellung, wonach keines dieser Kinder jemals irgendetwas Gedrucktes zu Gesicht bekommen hätte, entlarvt er durch einen Blick auf Google Maps: Da das Projektgebiet nur etwa 100 km von Äthiopiens Hauptstadt Addis Abeba entfernt ist, ist es höchst unwahrscheinlich, dass die BewohnerInnen niemals Drucksachen zu Gesicht bekommen hätten. Ein Bericht der taz setzt sich ebenfalls mit der Thematik auseinander, auf den Text bei Androidnext bin ich durch den englischsprachigen Beitrag von Tobias Denskus von Aidnography aufmerksam geworden, der die Geschichte durch die Ethnologenbrille betrachtet.

Mit Mobilfunk gegen Malaria: Auf heise.de stellt David Talbot eine Studie vor, bei der erstmals anonymisierte Bewegungsdaten von Handys epidemiologisch ausgewertet wurden, und dadurch erstmals Verbreitungswege der Infektion sichtbar gemacht werden konnten. „Das Ergebnis zeigt deutlich, dass die Malaria-Ausbrüche in dieser Zeit in der Region um Lake Victoria begannen und sich dann östlich in die Hauptstadt Nairobi verteilten.“ Dies könnte den Schluss zulassen, dass viele Malaria-Infektionen rund um den Lake Victoria beginnen und die Bekämpfung von Moskitos, die Überträger der Krankheit sind, dort intensiviert werden sollte.

Interventionsplan in Mali steht, Zweifel bleiben: In gewohnt kritischer Manier analysiert Peter Dörrie bei AfrikaEcho, warum der Interventionsplan scheitern könnte, u.a. weil bereits jetzt Zweifel an der Stärke und dem Zustand der Armeen Malis und Nigerias bestehen, von denen der Großteil der etwa 4.000 Soldaten der Einsatztruppe gestellt werden wird, bestehen. Die Bundesregierung hat Unterstützung in Form von Ausbildung durch die Bundeswehr zugesagt.

Werbekampagne: Noch mal AfrikaEcho: Hier gibt es – ganz neu – eine nette Mitmachaktion. Alle zwei Tage wird in nächster Zeit ein neues Postkartenmotiv mit einem interessanten Fakt über Afrika veröffentlicht und die LeserInnen können ihre Lieblingsmotive wählen und auch selbst weitere Fakten vorschlagen. Die „Gewinnerfakten“ werden dann gedruckt und verteilt.

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