Einen guten Antrag schreiben

Seit mehreren Jahren habe ich im beruflichen Kontext mit Förderanträgen zu tun und kenne sowohl die Antragstellerinnen- wie auch die –prüferinnenperspektive. Immer wieder fällt mir dabei auf, dass viele AntragstellerInnen einige sehr grundlegende Punkte nicht beachten, was dann wiederum langwierige Korrekturschleifen nach sich zieht (und im schlimmsten Fall zur Ablehnung eines Antrags, hinter dem eigentlich ein gutes Projekt steckt, führen kann).

Im Folgenden daher einmal einige grundsätzliche Leitgedanken. Auch wenn meine Erfahrung v.a. aus dem Bereich Entwicklungszusammenarbeit (EZ) stammt, sind diese auch für die Arbeit an Anträgen aus anderen Bereichen relevant. Ganz grundsätzlich gilt natürlich, dass hinter einem guten Antrag auch ein gutes Projekt stehen muss (sprich: ein gut und realistisch geplantes Projekt) – das ist aber Thema für einen separaten Beitrag.

Fasse Dich kurz: Die Länge eines Textes ist kein Qualitätsmerkmal. Egal ob Schulaufsatz oder eben Förderantrag: Knapp und präzise formulieren hilft der Klarheit des Antrags und erfreut die Bearbeitende, denn es ist anstrengend, seitenweise Text zu lesen, der sich auf wenige (Ab)Sätze kürzen ließe. Und, hey, es kann sogar Spaß machen, einen vorhandenen Text einfach mal so um ein Drittel zu kürzen. Meistens merkt man dann auch, dass man das, was man sagen wollte, auch mit weniger Worten ausdrücken kann.

Bleibe konsistent: Die verwendete Terminologie sollte einfach sein (nicht zu viele Fremdworte oder holprig aus anderen Sprachen übersetzte Fachbegriffe) und durchgängig angewandt werden. Wird derselbe Sachverhalt mit mehreren unterschiedlichen Begriffen bezeichnet, verwirrt dies meist mehr als dass es hilft. Das Verwenden mehrerer Bezeichnungen für ein und dieselbe Sache, das Prosatexten und Zeitungsberichten abwechslungsreicher machen soll, ist für Antragstexte meist nicht empfehlenswert.

Bleibe konsistent, II: Es hilft beim Lesen, wenn vergleichbare Inhalte bzw. Textabschnitte gleich aufgebaut bzw. formatiert sind. Wenn zum Beispiel die Darstellung einer Aktivität einmal in tabellarischer Form erfolgt, einen Absatz später dann aber die Darstellung einer weiteren Maßnahme mittels Fließtext, erschwert dies das Verständnis des Textes. Eine einheitliche Darstellung sieht zudem auch ansprechender aus.

Achte auf Zusammenhänge: Beim Kürzen und Neuanordnen von Texten und Textbausteinen schleichen sich schnell logische Fehler ein. Immer doppelt nachsehen und auch den Text vor und nach der bearbeiteten Textstelle nochmals mitlesen.

Lasse Korrektur lesen: Hat man einen Text mehrmals bearbeitet, ist man oft froh, ihn endlich fertig zu haben und wegschicken zu können. Als Leserin eines Antrags freut man sich aber über möglichst fehlerfreie, ordentlich formatierte und in sich stimmige Dokumente. Ich bin mir sicher, dass man damit fast immer Punkte sammeln kann.

Achte auf korrekte Zahlen: und Rechnungen: Zahlendreher passieren immer wieder, das kenne ich aus eigener Erfahrung, daher ist es sinnvoll, immer doppelt genau auf korrekte Rechnungen zu achten. Ebenso sollten alle Rechnungen nachvollziehbar sein. Auch wenn vor dem Einreichen eines Antrags keine Zeit mehr für Korrekturlesen bleibt, empfiehlt es sich, zumindest die Zahlen nochmals prüfen zu lassen. Sehr oft folgen Korrekturschleifen (oder, im schlimmsten Fall, die Ablehnung eines Antrages) – weil vermeidbare Tippfehler passiert sind.

Wo möglich: Vermeide Worthülsen: Es geht leider meist nicht völlig ohne Worthülsen, da i.d.R. bestimmte Begriffe, Konzepte, Modeworte, einfach fallen müssen (die EZ ist da nicht anders als andere Bereiche). Oft ist weder Autorin noch Leserin so recht klar, was sich dahinter verbirgt, aber es muss einfach drinstehen. Der „partizipative Prozess“, der „Beitrag zu den MDGs“, „capacity development“, etc, Trotzdem rate ich dazu, diese Hülsen sparsam zu verwenden und das Gesagte möglichst mit wirklichen Inhalten füllen. Das unterstreicht die ernsthafte inhaltliche Auseinandersetzung mit Themenfeld und dem Projekt als solches.

Es gibt natürlich eine ganze Reihe weiterer Tipps, aber das sind, wie gesagt, einige sehr grundsätzliche Dinge, die mir seit Jahren immer wieder auffallen. Gerne weitere Hinweise und Empfehlungen in den Kommentaren, vielleicht mehr detailliertere zukünftig an dieser Stelle.

Online gibt es übrigens jede Menge Material zu fast jedem Fachbereich. Hilfreich für EinsteigerInnen im Hinblick auf die „Basics“ von Projektkonzeption und Schreiben eines Antrags sind z.B. die Hilfen vom Aktionsbündnis Brandenburg (Wie schreiben wir einen guten Förderantrag)  oder von der Servicestelle Jugendbeteiligung (PDF). Wenn es um Projekte im EZ-Bereich im In- oder Ausland geht, hilft deutschen AntragstellerInnen etwa Engagement Global, wo z.B. bengo, die Beratungsstelle für private Träger in der Entwicklungszusammenarbeit, angesiedelt ist.

Noch eine Bemerkung zum Abschluss

Anträge schreiben kann eine lästige Angelegenheit sein, denn man hat oft das Gefühl, ausschweifen zu müssen, um sich so zu präsentieren, wie es der potenzielle Geber hören mag. Man kann aber innerhalb des vorgegebenen Rahmens durchaus originell sein, ausgetretene Pfade verlassen und den Text als Hilfestellung sehen, die dazu dient, das eigene Verständnis einer Situation, eines Projektes oder sonstigen Sachverhaltes zu durchdenken und dies dann überzeugend darzustellen. So kann die lästige Pflichtaufgabe zur sportlichen Herausforderung werden und mit Sicherheit wird sich ein gut und individuell formulierter Antrag positiv von den Anträgen der MitbewerberInnen abheben (natürlich immer unter der Voraussetzung, dass relevante Richtlinien und ggfs. zu verwendende Vordrucke oder Formate eingehalten und verwendet werden).

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