The Power of We – Die Kraft der Solidarität

Heute findet der Blog Action Day statt, an dem weltweit BloggerInnen Texte unter einem bestimmten Motto veröffentlichen. Das diesjährige lautet: „The Power of We“ (Die Macht des Wir).

Eine meiner ersten Assoziationen dazu war der Begriff „Solidarität“. Solidarität erzeugt den Zusammenhalt, durch den „the Power of We“ zu einer „Macht“ wird, mit deren Hilfe Dinge verändert werden können. Die Abolitionsbewegung zur Abschaffung der Sklaverei, die ArbeiterInnenbewegung, die Unabhängigkeitsbewegung der früheren Kolonien oder die Frauenbewegung sind nur einige Beispiele aus der jüngeren Geschichte, in der sich Menschen einander länderübergreifend solidarisch zeigten und somit immer mehr Rechte erkämpft und gesellschaftlichen Wandel, Entwicklung, herbeigeführt haben.

Solidarität heißt dabei nicht, unkritisch und unreflektiert Positionen, die einem/r opportun erscheinen einzunehmen. Vielmehr bedeutet Solidarität, Machtverhältnisse zu hinterfragen und dabei immer auch einen kritischen Blick auf die eigenen Privilegien und Positionen zu werden.

Solidarität in der EZ

Solidarität wird schnell mit weltfremdem Idealismus gleichgesetzt, gerade wenn es um in der Entwicklungszusammenarbeit (EZ) tätige Menschen geht. Anders jedoch, als es das Klischee des weltfremden Entwicklungshelferin vermittelt, setzen sich aber viele in der EZ Tätige durchaus andauernd und sehr kritisch mit ihrem Arbeitsfeld auseinander. Weit kritischer, als dies vermutliche viele Menschen tun, die in anderen Bereichen arbeiten. Sehr viele „EZlerInnen“ treibt das Interesse daran, ein wenig mehr von dieser Welt zu verstehen (und, ja, auch zu sehen). Viele wollen „Gutes tun“, doch kennen nur allzu gut die frustrierend engen Grenzen des eigenen Engagements. Dabei hoffen sie dennoch, ein kleines bisschen dazu beitragen zu können, dass sich die Dinge positiv entwickeln, irgendwo auf der Welt. Und auch zu Hause.

Gut gemeint muss nicht gut sein

Solidarität kann auch schnell falsch verstanden werden. „Hilfe zur Selbsthilfe“ ist eines der Schlagworte, die einem in der EZ immer wieder begegnen. Interessanterweise sieht das in der Praxis allzu oft so aus, dass „wir“ ExpertInnen aus dem Norden besser wissen, was „sie“, die Armen des globalen Südens, tun sollten, um ihr Leben hin zum Positiven zu entwickeln. Das hat viel damit zu tun, dass das Geld, das ausgegeben wird von Regierungen, Stiftungen, Firmen und privaten SpenderInnen aus dem Norden kommen, die in unterschiedlichem Maß Rechenschaft über Ausgaben und erreichte Ziele verlangen. Viele in der EZ Tätige sehen sich dadurch in einem stetigen Spannungsfeld zwischen Geldgeberinnen und Empfängerinnen – eine schwieriges Machtungleichgewicht, was oft gut gemeint ist, aber nicht notwendigerweise gute Ergebnisse hervorbringt.

Was hat das mit Solidarität zu tun?

Solidarität sollte nicht als Mitleid oder Bevormundung missverstanden werden. Solidarität findet auf Augenhöhe statt. Solidarität heißt Respekt, Achtung, Würde und das Anerkennen der Relativität der eigenen Position. Solidarität erfordert auch Mut und die Bereitschaft, mit ehrlichem Interesse auf andere zuzugehen, ihnen zuzuhören und sich selbst hintenanstellen zu können. Zusammenarbeit findet immer zwischen mehreren Menschen statt. Entwicklungszusammenarbeit findet zwischen Menschen ganz unterschiedlicher Herkunft statt und immer stellt sich die Machtfrage.

„Die Macht des Wir“ ist nur eine wahre Macht, wenn das „Wir“ von Respekt gekennzeichnet ist, Respekt, der das ExpertInnen-Ich zurückstellt und fragt, was wir gemeinsam erreichen wollten und können.

Nicht ganz zum Text, aber zum Thema Solidarität passt das Lied zum Abschluss, das die „Kraft der Solidarität“ am Beispiel der internationalen Proteste gegen die unschuldig zum Tode verurteilten Aktivisten Sacco und Vanzetti beschreibt: Hinter Euch steht heute die Welt, in der das Volk die Macht schon hält.

Ein Kommentar

  1. Ich bezweifle sehr stark, dass Sacco und Vanzetti sich als Aktivisten (activists) bezeichnet haben, eher noch als militants, wie es im englischsprachigen Raum und der radikalen Arbeiter_innenbewegung üblich ist. Sie waren aber sicherlich eines: Anarchisten.
    Warum nicht beim selbst gewählten Namen nennen?

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