Ein Jahr Unabhängigkeit: Südsudan

Quelle: Urheber Domenico-de-ga,
http://de.wikipedia.org/wiki/Datei:
Sudan_politisch_(%2BSüdsudan).png

Vor genau einem Jahr, am 9. Juli 2011, erklärte der Südsudan seine Unabhängigkeit vom Norden und wurde damit zum jüngsten Land der Erde. (Hier mein Beitrag vom 9.7.2011 und hier meine Eindrücke von einer Reise in den Südsudan im Mai 2011. Weitere Links am Ende des Textes.)

Die Einschätzungen der westlichen Beobachterinnen entsprechen sich in etwa. Von „steinigem Beginn“ (rocky start) oder „bitterem Jahrestag“ (bitter anniversary) ist die Rede.

Innerhalb des Landes bekämpfen sich mehrere bewaffnete Gruppen und Milizen und seit Anfang des Jahres kommt es in den Grenzgebieten immer wieder zu Gefechten mit der Armee des Nord-Sudan mit inzwischen mehreren Hundert Toten, auch wenn die UN soeben ihre Friedensmission mit 7.000 Blauhelmen verlängert haben.

Stopp der Ölexporte

Verschärft wird die Lage dadurch, dass der Südsudan seit Januar 2012 die Ölförderung komplett eingestellt hat. 98 Prozent der Staatseinnahmen machte das Ölgeschäft aus. Der Förderstopp kommt nicht nur den Südsudan teuer zu stehen, auch der Norden wird durch den Wegfall der Einnahmen stark geschwächt. Gefördert wird es im Süden, es kann derzeit aber nur durch Pipelines, die durch den Norden verlaufen, abtransportiert werden. Nachdem sich beide Länder nicht auf ein System zur Verteilung der Einnahmen einigen konnten, liegt nun also die Ölförderung auf unbestimmte Zeit brach.

Rückkehrer_innen, Binnenvertriebene, Flüchtlinge

Die ohnehin schon angespannte Lage verschlechtert sich dadurch derzeit sehr, wie auch verschiedene deutsche Hilfsorganisation berichten. Laut Diakonie Katastrophenhilfe leben rund 450.000 Rückkehrer_innen im Land, die im Zuge der Unabhängigkeit zumeist aus dem Norden und verschiedenen Nachbarländern in den Südsudan gekommen sind, dort aber zunächst in Lagern unterkommen müssen.

Dazu kommen 170.000 Binnenvertriebene, die vor diversen innerstaatlichen Konflikten geflohen sind. Im Nordosten halten sich dazu derzeit 120.000 Flüchtlinge aus dem sudanesischen Bundesstaat Blue Nile auf, die vor Kämpfen über die Grenze geflohen sind.

Einblicke in den Südsudan

Die Unabhängigkeit, schreibt James Copnall in einer Reportage für den Guardian, wird dennoch von den meisten Südsudanes_innen, die ihm begegneten, begrüßt.  Zu groß erschienen vielen zuletzt die Unterschiede zum und Spannungen mit dem Norden, als dass eine Einigung realistisch erschien.

Der Sudanese Moez Ali, Herausgeber des 500 Word Mag, betont, dass trotz der eher schlechten Aussichten, die meisten Skeptiker doch auch ihren Blick für die richtige Perspektive wahren sollten, schließlich waren die Voraussetzungen auch vor der Unabhängigkeitserklärung schon denkbar schlecht .

Weitere interessante Einblicke in die Situation im Land gibt diese ausführliche Reportage von Alexander Dziadosz, der über die schwierige Lage der Menschen in Pibor, im Bundesstaat Jonglei berichtet. Dabei setzt er sich auch mit der Bedeutung des cattle raiding, dem Stehlen von Vieh sowie den innergesellschaftlichen ethnischen Spannungen, auseinander.

Unterdessen im Norden: Proteste gegen das Regime in Khartoum

Seit Mitte Juni finden in Khartoum und in weitere Städten des Sudan immer wieder Proteste gegen die Regierung statt; von der deutschsprachigen Presse fast unbemerkt, wie AfrikaEcho schreibt, wo es auch mehr Informationen dazu gibt.

Weitere Links

Reportage „Front statt Feier“ in der FR

„Schmerzvoller Start für den Südsudan“ bei Tagesschau online mit Links zu Karten, Audio- und Videobeiträgen

„Plötzlich Beamter im Südsudan“ von der Deutschen Welle, Bericht über die Ausbildung von Verwaltungspersonal mit Unterstützung durch die deutsche GIZ

Arte-Reihe „Mit offenen Karten: Südsudan, ein neuer Staat in Afrika“ Beitrag 1/2 und Beitrag 2/2

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