Spende für „das arme Kind aus Afrika“ – Filmtipp „White Charity“

„White Charity“ – ein Film von Carolin Philipp und Timo Kiesel.

Viele weitere Informationen mit Literaturtipps und Downloads gibt es auf der Seite zum Film.

Spendenwerbung – was steckt hinter dem armen Kind aus Afrika?

Wie jedes Jahr zur Weihnachtszeit werben unzählige (Hilfs-)Organisationen um Spenden. Doch auch sonst begegnen einem übers Jahr immer wieder die großen Plakate mit den afrikanischen, asiatischen oder lateinamerikanischen Kindern, die „unsere“ Hilfe brauchen.

Der kürzlich erschienene Film „White Charity“ thematisiert diese Spendenwerbung deutscher Hilfsorganisationen im Hinblick darauf, wie die Darstellung nicht weißer Menschen rassistische und kolonialistische Klischees verfestigt und weiter tradiert.

Im Film kommen sowohl WissenschaftlerInnen als auch VertreterInnen der Organisationen zu Wort. Sehr interessant ist etwa, wie die Kulturwissenschaftlerin Peggy Piesche einzelne Spendenplakate „liest“; anhand konkreter Beispiele erklärt sie, wie subtil die Klischees funktionieren.

So werden z.B. schwarze Kinder oft ohne Kleidung abgebildet, und es wird aufgezählt, was ihnen fehlt (Nahrung, Bildung, etc.). Die Kinder werden als passive Opfer ihrer Situation konstruiert und die AdressatInnen des Plakates, (weiße) Deutsche, werden aufgefordert, aktiv etwas zur Verbesserung der Situation beizutragen. Dies suggeriert, dass die Kinder in ihrer schwachen, aussichtslosen Situation gefangen sind und „gerettet“ werden müssen.

Spendenwerbung, Macht und Menschenwürde  – ein Dilemma der EZ

Ich finde den Film sehr wichtig, weil er hilft, die Spendenplakate auf eine andere Weise zu lesen, und weil er auf ein zentrales Dilemma der Entwicklungszusammenarbeit (EZ) verweist. Sei es die nichtstaatliche (um die es im Film geht) oder auch die staatliche EZ, ihre Akteuer bewegen sich immer in einem Spannungsfeld von Macht- und Hierarchieunterschieden.

Auch wenn die Bedeutung von Partizipation ständig herausgestellt wird und vordergründig die Rede von Partnerländern und der „Partnerschaft auf Augenhöhe“ ist. Das ist aber nicht so. „Wir“ sind weiß, „sie“ sind schwarz, „wir“ sind die Geber, „sie“ sind die Empfänger, „wir“ setzen uns ein für Partizipation, „sie“ sollen aber doch erst einmal die Konzepte umsetzen, die „wir“ ihnen vorgeben.

Die Analyse der Spendenplakate fügt sich somit ein in das größere Gesamtbild von der Wahrnehmung der „Dritten Welt“, bzw. der „Entwicklungsländer“, deren Einwohner immer noch als hilfsbedürftige und schwache Menschen gesehen werden. Es ist ein Dilemma, da die Hilfsorganisationen ihre Arbeit größtenteils über Spenden finanzieren und dafür Öffentlichkeitsarbeit machen müssen. Gleichzeitig kommt ihnen aber auch eine Verantwortung im Hinblick auf die Repräsentation, auf die Darstellung ihrer Arbeit und „Kunden“ zu. Hierzu liefert der Film eine wichtige Disussionsgrundlage, denn oberstes Gebot bei der Spendenwerbung sollte eine würdevolle Darstellung der Abgebildeten sein. Und nicht die Stilisierung von Menschen zu ewig hilflosen Opfern, die gerettet werden müssen.

Das soll jetzt nicht im Sinne eines „EZ-Bashings“ verstanden werden; ich arbeite seit Jahren in diesem Bereich, möchte es weiterhin tun, aber habe dennoch viele Diskussionen mit KollegInnen zu genau diesem Thema geführt. Ich finde es wichtig, dass Filme wie dieser gemacht werden, um solche Diskussionen in Gang zu halten und sie weiter zu befördern, denn das Thematisieren von Machtverhältnissen innerhalb der EZ (wozu auch die Macht über die Bilder der „anderen“ gehört) geschieht viel zu zögerlich und sollte dringend prominenteren Raum einnehmen.

Danke an Mädchenmannschaft und i heart digital life für den Hinweis zum Film.

6 Kommentare

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  6. charly hermann

    was in uganda mit spendengelder und hilfsgüter gemacht wird,ist sehr zweifelhaft.auch sollte man die vielen christlichen organisationen unter die lupe nehmen.eine reportage von anouk batard in der französichen zeitung “ le monde“ schildert das vortrefflich.den artikel gibt es auf deutsch,google „unter reich und heilig in uganda“.uganda könnte meiner meinug nach ein sehr gutes land sein,man muss die korruption bekämpfen und die ist sehr gewaltig hier.
    kony ist schon lange nicht mehr im land,was amerikanische soldaten und die ngo „kony 2012“ bezwecken und was dahinter steckt kann ich nur ahnen.
    es kann nicht um kony gehen,den hat die ugandische armee vertrieben.

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