Mein Beitrag zur Integrations“debatte“

(Bild: allaturka.info)

Gestern war ich auf einer Hochzeit. Das Besondere daran, wenn man es so nennen will, war, dass es sich um eine deutsch-türkische Hochzeit handelte.  Auf jedem Platz lag ein solches kleines  „Blaues Auge“, das der Abwehr des bösen Blicks dient. Aber dies nur am Rande.

Seit einigen Wochen befindet sich Deutschland ja wieder einmal in einer Integrations“debatte“ – die Anführungszeichen verwende ich deswegen, weil ich das Ganze nicht als sachliche Debatte empfinde, sondern vielmehr als hysterisches Geschrei darum, wer die beste und polemischste Schlagzeile zur vermeintlichen „Profilsuche“ erreichen kann.

Derzeit tut sich ja Herr Seehofer besonders darin hervor, wieder auf „die Ausländer“ zu schimpfen, die sich ja nicht integrieren und die wir folglich auch nicht brauchen. In ziemlicher Regelmäßigkeit werden solche „Debatten“ ausgelöst, in den vergangenen zehn Jahren u.a. von Roland Koch mit seiner Wahlkampf-Unterschriftenkampagne gegen das neue Staatsbürgerschaftsgesetz, die bewußt als „Unterschreiben gegen Ausländer“ geführt wurde, Jürgen Rüttgers mit „Kinder statt Inder“ und Friedrich Merz, der die Orientierung an der deutschen Leitkultur gefordert hatte, ein Begriff, der auch jetzt wieder fällt).

In schöner Regelmäßigkeit werden „die Ausländer“ als Feindbild instrumentalisiert, um sich als innenpolitisch starker Mann positionieren zu können und um davon abzulenken, dass die Politik jahrzehntelang massivst versäumt hat, eine vernünftige Integrationspolitik zu betreiben.

Experten melden sich in der Debatte kaum zu Wort. Vielleicht tun sie dies, werden aber nicht gehört, gedruckt oder gesendet – warum auch, einfaches polemisieren scheint so viel einfacher zu sein als die sachliche Auseinandersetzung mit Ursachen und Lösungsansätzen.

Aber vielleicht ist es ihnen auch einfach zu blöd, sich an einer Pseudodebatte zu beteiligen, die nur dazu dient, Sündenböcke zu schaffen, und überhaupt nicht dazu, Lösungen für bestehende Probleme zu finden.

Eine sehr interessante Übung könnte übrigens sein, einmal in der eigenen Familiengeschichte zurückzublicken. Wir „Deutschen“ sind auch das Produkt jahrhundertelanger Migrationsgeschichten, es ist vollkommen irreführend zu denken, es gäbe „die Deutschen“ schon seit Jahrhunderten. Schon immer gab es eine gute Mischung mit Menschen aus anderen Ländern und Gesellschaften. Und das Ergebnis ist doch ganz spannend. Wenn auch immer noch zu viele Menschen an die Illusion der „ethnischen Homogenität“ glaben.

Übrigens: Die Hochzeit war sehr schön, hat Spass gemacht und ich habe zum ersten Mal im Leben türkischen Mokka getrunken, was meine Küche zukünftig erweitern wird.

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