Eindrücke aus Sierra Leone

Seit zehn Tagen bin ich wieder zurück in Hamburg, aber wie das so ist, man muss sich ausruhen, wird krank, auf der Arbeit sind jede Menge Dinge liegen geblieben (und anderen Stress gibts dort auch noch…) – aber jetzt: Hier einige Eindrücke aus meinen 12 Tagen in Sierra Leone.

Ich hatte erst relativ kurz vor meiner Reise begonnen, mich näher mit dem Land zu beschäftigen, zuvor prägten vor allem die Schlagworte „Bürgerkrieg“ (seit 2002 zu Ende), „Blutdiamanten“ (Film Blood Diamond), „Kindersoldaten“ und „ärmstes Land der Welt“ meine Vorstellung von Sierra Leone.

Ich muss sagen, es war eine sehr gute Zeit. Ich habe wieder unglaublich viel Neues gelernt, über das Land – so viel man in knapp zwei Wochen über ein ganzes Land lernen kann – und auch über die Organisation, für die ich arbeite. Dem ein oder anderen mag es aufstoßen, dass solche Reisen stattfinden (vermeintlich mit Spendengeldern bezahlt), doch solcher Kontakt „ins Feld“ ist absolut notwendig und kann, wenn richtig vorbereitet und organisiert, ein Gewinn für beide Seiten sein.

Wenn man nämlich die Menschen, mit denen man es sehr oft nur virtuell (Email) zu tun hat und die man höchstens gelegentlich am Telefon hat oder über Skype hört, wenn man die persönlich kennenlernt, hat man danach eine komplett andere Arbeitsebene. Zudem erfährt man, was die eigene Organisation eigentlich ausmacht, wie die eigentliche Arbeit „vor Ort“ überhaupt stattfindet, was die Kollegen leisten müssen und, ganz wichtig, wo die Grenzen des Möglichen sind.

Gerne malen wir uns vom Schreibtisch in Deutschland die tollsten Dinge aus – oft, ohne ausreichend Kenntnis der Verhältnisse vor Ort. Oft genug Grund, die Kollegen in den Partnerländern mit unseren Vorstellungen und Wünschen zu Frustrieren oder sie zumindest zu ellenlangen Erklärungen zu nötigen, warum dies oder jenes vielleicht doch keine so gute Idee sein mag.

Wie auch immer, ich bin begeistert. Mein Fazit zu Sierra Leone? Schwer zu sagen, ich war nur kurz da. Mir erschienen die Menschen sehr freundlich, jedoch auch sehr zurückhaltend und es dauerte länger, als ich es aus anderen Ländern kenne, bis eine gewisse Beziehung hergestellt war. Ich interpretiere das als Folge des Bürgerkriegs, den die meisten Menschen, die ich getroffen habe, miterlebt haben dürften. Viele hatten sich auch in Nachbarländer geflüchtet, wo sie teils Jahre in Camps ausharren mussten, auch das prägt.

Ich kann mir jedoch hierzu kein abschließendes Urteil erlauben, dazu war ich zu kurz im Land. Also schließe ich hier und nun folgen die Bilder:

Unterkunft in Freetown: Hotel Family Kingdom – ok, sehr luxuriös, ich gebe es zu. Noch viel netter war der Besitzer, ein älterer Libanese, der in Freetown geboren ist und einen Tag mit mir eine Stadtrundfahrt unternommen hat. Er meinte, als er mich gesehen habe, hätte er gedacht, wie schrecklich, man könne doch ein so junges Mädchen nicht alleine nach Afrika schicken.

Meine Reaktion: Ich bin durchaus freiwillig hier. Und so jung bin ich auch nicht mehr, schon gar nicht für afrikanische Verhältnisse. Dort bin ich mit über Dreißig, unverheiratet und ohne Kinder schon verdammt alt.

Viel einfacher: Die Unterkunft in Port Loko. Wasser nur aus dem Eimer.

Blick auf Freetown: Im Vordergrund die neue amerikanische Botschaft(sfestung)

nochmal Freetown

Das Parlament Sierra Leones (von hinten). Reichlich unspektakulär. Der Besitzer meines Hotels brachte mich hierher und ein Polizist führte uns über das Gelände (wegen einer Sitzung konnten wir das Gebäude nicht betreten). Im Anschluss bekam der Polizist ein (finanzielles) Dankeschön – sehr zu meinem Missfallen, schließlich will man die ohnehin grassierende Korruption nicht unterstützen.

Plan Feldbüro in Port Loko

Mit solchen Dieselgeneratoren muss Strom erzeugt werden. Ein teures Vergnügen. Alternative: kein Strom.

Ein von einer Dorfgemeinschaft in Eigenleistung erbautes Gesundheitszentrum.

Labor in einem anderen Gesundheitszentrum

Malariatestutensilien

Spot the falciparum (Malaria)

Gesundheits-Präventions-Plakate

Aufklärung über Frauenrechte

Jede Menge Leones (1 Euro entspricht ca. 5000 Leones)

Standardessen: Hühnchen und Pommes

Die Standardfrage, die man Afrikareisenden stellt: Was für Tiere hast Du gesehen? Eine Meerkatze (?) im Hotel in Freetown.

Ekliges Tier

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