Port Loko

Während der letzten beiden Tage war ich „upcountry“, in Port Loko, einer Distrikthauptstadt. Die Stadt selbst ist relativ abgelegen und auch die Einheimischen sagen, dass dort nichts los sei. Wie die meisten Gegenden des Landes gibt es auch in Port Loko keinen Strom. Wo Strom benötigt wird, z.B. in NGO-Büros oder zum Fußballschauen in einer öffentlichen Trinkhalle, wird dieser per Dieselgenerator erzeugt. Kostet natürlich, vom Umweltaspekt mal gar nicht zu reden.

Auch hier, zurück in Freetown, kann ich nur CNN schauen und bloggen, weil den ganzen Tag lang ein Generator läuft. Irre.

In Port Loko gab es ein sehr gutes Treffen mit einer Partnerorganisation, mit der Plan im Rahmen des Aufklärung-über-Beschneidung-Projektes zusammenarbeitet. Am beeindruckendsten fand ich ein Rollenspiel, das Jugendliche aufführten, weil sie so intensiv und engagiert bei der Sache waren. Aber auch die anschließende Diskussion mit Gemeindemitgliedern und die Besprechung mit Mitarbeitern der Partnerorganisation am Nachmittag waren sehr gut und ich habe jede Menge gelernt.

Heute Morgen konnte ich mir an zwei Orten einen Eindruck eines großen Malariaprojektes verschaffen. Zunächst besuchten wir ein eher abgelegenes Dorf, in dem die Gemeindemitglieder in Eigenleistung ein sehr einfaches Gesundheitszentrum gebaut haben, das von einer Krankenschwester geführt wird und Basisgesundheitsversorgung anbietet. U.a. erhalten Schwangere kostenlos ein Moskitonetz (was sonst mit rund 4 Euro für die meisten unerschwinglich ist) und Kinder unter 5 Jahren bekommen umsonst Medizin gegen Malaria, da dies die häufigste Todesursache bei ihnen ist.

Außerdem besuchten wir ein Gesundheitszentrum, in dem auch Malariatests durchgeführt werden, und der freundliche Labortechniker demonstrierte uns dies mit einem positiven Test; wir durften durchs Mikroskop schauen und die Parasiten entdecken.

Alles in allem sehr beeindruckend und sehr bereichernd, da ich einmal mehr die Probleme und Erfolge auf der „grassroots“-Ebene eines Entwicklungslandes mitbekomme.

Ich merke übrigens auch wieder, wie verwöhnt ich doch bin. Nach zwei Tagen ohne Dusche, nur mit Eimer und in einem Zimmer mit spärlichster Möblierung bin ich sehr froh, für eine Nacht nach Freetown zurückgekehrt und in einem sehr guten Hotel untergebracht zu sein, wo ich endlich wieder eine richtige Dusche (sogar mit warmem Wasser) habe.

Letzte Nacht war sehr ungemütlich. Nicht nur war es unerträglich heiß, so dass ich schon beim einfachen Liegen schwitzte, nein, auf dem Wellblechdach turnten irgendwelche Tiere herum, irgendwann kam Wind auf und im Innenhof hinter meinem Zimmer klapperten Eimer und schließlich gab es einen Wolkenbruch – was unter einem Blechdach ohrenbetäubenden Lärm macht.

Hier könnte es heute auch laut werden, denn es gibt eine Hochzeitsfeier. Immerhin haben sie mich in einem Zimmer untergebracht, das recht weit ab von der Halle liegt, in der gefeiert wird – und ich bin außerdem auch so müde, dass ich auf jeden Fall schlafen kann, Hitze, unzählige neue Eindrücke und die schlaflose letzte Nacht sind genug.

Nachtrag: Inzwischen ist es Sonntag morgen und ich bin im Hotel in Freetown. Leider ist die Internetverbindung so schlecht, dass es Stunden dauern würde, Bilder hochzuladen. Ich probiere es mal, aber ich bin froh, überhaupt online gehen zu können, das war ein ziemlicher Zeitaufwand.

DAS traininert die Geduld, kann ich nur sagen.

Ein Kommentar

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